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Mehr als die reine Vermittlung von Wissen - Berufsbildungswerk der Johannes-Anstalten Mosbach verabschiedete 97 Absolventen Zweimal Notendurchschnitt 1,5 -
Mosbach.
Erfolgreich wie selten zuvor haben die Abschlussprüfungen am Berufsbildungswerk der Johannes-Anstalten Mosbach (BBW) geendet. 97 von 99 angetretenen Absolventinnen und Absolventen haben bestanden. Am Donnerstag (26. Juli) wurden sie in einer Feierstunde in der Johanneskirche mit viel Lob und guten Wünschen für die Zukunft verabschiedet.
Viel Zeit, Kraft und Anstrengungen haben sowohl die Jugendlichen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen als auch ihre Ausbilder aufgewendet, um das jeweilige Berufsziel zu erreichen. Ausgebildet wurden die jungen Leute in unterschiedlichen Berufen der Sparten Metall, Holz, Farbe, Lagerwirtschaft und Hauswirtschaft, dazu kommen Beiköche, Fachkräfte für Reinigungstechnik und erstmals ein Fachwerker für Gebäude- und Umweltdienstleistungen, ein neuer Ausbildungsberuf am BBW.
Die Entlassfeier begann mit einem Gottesdienst in der Johanneskirche, den Pfarrer Richard Lallathin und Pfarrerin Petra Hasenkamp multimedial gestalteten. In Anlehnung an das Landesgartenschau-Revival „Mosbach mit allen Sinnen“, zu dem BBW-Auszubildende maßgeblich beigetragen hatten, stellten sie die Andacht unter das Motto „Leben mit allen Sinnen“. Jeder habe die Wahl, seine Sinne zu benebeln oder klaren Auges zu sehen, wo sein Platz im Leben ist, gaben sie den Jugendlichen mit auf den Weg.
„Von allen zur Armut beitragenden Faktoren schlägt mangelnde Bildung am deutlichsten durch“, zitierte Reinhard Adler, Geschäftsführer der Johannes-Anstalten Mosbach, aus der Denkschrift „Gerechte Teilhabe“ des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Koalitionsvertrag der regierungsbildenden Parteien heiße es unter anderem „Chancengleichheit in der Bildung“. „Dieses Postulat muss natürlich auch für unsere Jugendlichen gelten“, sagte er im Hinblick auf die schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen für das BBW aufgrund einer veränderten Bewilligungspraxis der Bundesagentur für Arbeit.
Man hoffe inständig, dass nach den Zeiten erheblicher Leistungsentgeltabsenkungen und deutlicher Belegungseinbrüche die Talsohle bald erreicht oder gar durchschritten sei. Adler bedankte sich ausdrücklich bei der Arbeitsagentur in Tauberbischofsheim, die auch in den Krisenzeiten fair und partnerschaftlich zum BBW Mosbach gestanden habe, insbesondere beim Vorsitzenden der Geschäftsführung, Stefan Beil, der der Feier bewohnte.
Dieser drückte in seinem Grußwort Dank und Anerkennung für die erfolgreiche Berufsausbildung im BBW aus. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt bezeichnete er als so gut wie seit Jahren nicht mehr. An die frischgebackenen Fachkräften richtete er einen Appell, den sie an diesem Tag öfter hörten: „Die Ausbildung ist vorbei, das Lernen nie.“
Im Namen der Reha-Vertretung verabschiedete sich Daniel Peppler mit einem in Reinform gehaltenen und mit viel Applaus bedachten Beitrag von den Absolventen.
BBW-Leiter Albert Stelzle nannte Zahlen: Mit 97 von 99 angetretenen Absolventen haben 98 Prozent die Prüfungen bestanden. Seit seinem Bestehen hat das 1977 gegründete BBW Mosbach damit 2.228 jungen Menschen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen erfolgreich eine Berufsausbildung vermittelt. In seinen Dank und seine Gratulation schloss er die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BBW ein und dankte ihnen für ihr großes Engagement unter schwierigen, manchmal auch etwas turbulenten Bedingungen.
Berufliche Rehabilitation im BBW sei mehr als die Aneignung eines Kataloges von Wissen, mehr als die Summe der in den schulischen Lehrplänen und betrieblichen Ausbildungsplänen beschriebenen Inhalte. „Bei uns steht der ganze Mensch mit seinem Denken, Fühlen und Handeln im Mittelpunkt. Es geht bei uns auch um die Entwicklung sozialer, emotionaler, motorischer und geistiger Fähigkeiten junger Menschen“, betonte Stelzle. Das BBW biete die Chance, Krisen und Konflikte als wesentliche Meilensteine im Reifungsprozess zu begreifen, sich konstruktive Bewältigungsstrategien anzueignen und Werte als bindende Richtschnur des Handelns anzunehmen.
Es folgten die Zeugnisübergabe und Belobigungen. Die beiden Prüfungsbesten, die Bau- und Metallmalerin Diana Okata-Assare und der Gartenbaufachwerker Markus Thiery, haben jeweils einen Gesamtnotendurchschnitt von 1,5 Prozent geschafft und erhielten für diese Glanzleistung Buchpreise.
Zum schwungvollen Rahmen der Feier trug eine eigens zu diesem Anlass zusammengestellte Band mit Peter Bechtold (Keyboard), Peter Mayerhöffer (Posaune), Raphaela Peczkowski (Trompete), Franz Stiller (Trompete) und Peter Süßenbach (Schlagzeug) bei.
Pressemitteilung vom 30. August 2007
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Fotos: Thomas Hagendorn