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Integrationsberatung und Nachbetreuung im Berufsbildungswerk Mosbach
Ziel erreicht! Was nun?
Die Ausbildung ist abgeschlossen. Das große, lange unerreichbar erscheinende Ziel ist geschafft. Aber was kommt jetzt? Ziel einer abgeschlossenen Ausbildung ist selbstverständlich der darauf folgende Einstieg in das Berufsleben, endlich eigenes Geld verdienen, einen eigenen Haushalt gründen, nicht mehr auf die Hilfe und das Geld anderer angewiesen sein.
So ist es eine schöne Bilanz für das Berufsbildungswerk der Johannes-Anstalten Mosbach (BBW), dass die Zahl derer, die ein Jahr nach Ausbildungsende einen Arbeitsplatz haben, im Jahr 2006 bei 80 Prozent lag.
»Viele unserer Auszubildenden haben enorme Anstrengungen bewältigt, jahrelang intensiv an sich gearbeitet und Durchhaltevermögen bewiesen«, sagt Elke Hoheisel, zuständig für Integrationsberatung und Nachbetreuung im BBW Mosbach. Wenn dann nach drei bzw. vier Jahren auf einmal der große Tag gekommen ist, die Zeugnisübergabe stattfindet, man sich noch ein letztes Mal zum Feiern zusammen gefunden hat, komme zunächst einmal die große Leere. »Wegen all dem Prüfungsstress hatte ich noch keine Zeit, Bewerbungen zu schreiben.« »Jetzt möchte ich mich erst mal ein paar Tage erholen.« »Ich geh als Erstes zum Arbeitsamt.« »Ein Kumpel vom Nachbarn meines besten Freundes fragt in seinem Betrieb nach, die suchen immer gute Leute. « »Ich habe schon 50 Bewerbungen geschrieben nur Absagen.« Auf einmal fällt die gewohnteTagesstruktur weg, viel Druck fällt ab, aber auch der Abschied von lieb gewonnenen Freunden und der Einstieg in das »echte« Berufsleben stehen auf der Tagesordnung.
Ganz klar, der Übergang vom Ausbildungs- ins Berufsleben ist eine schwierige Zeit, mit allerlei Hürden und Problemen gespickt. Genau an diesem Punkt will die Integrationsberatung des Sozialpädagogischen Dienstes im BBW ansetzen. Noch während des letzten Lehrjahres findet im Rahmen der Ausbildungszeit ein Bewerbungstraining statt. Wichtige Inhalte wie das Schreiben von Bewerbungen, das Einüben eines Telefonats mit einem Arbeitgeber, das Durchspielen eines Vorstellungsgespräches vor laufender Kamera (interessant, sich mal selbst beobachten zu können) oder das Kennenlernen verschiedener behördlicher Notwendigkeiten, mit denen man nach Ausbildungsabschluss konfrontiert wird, werden behandelt.
Wer für sich realisieren konnte, dass er intensivere Unterstützung benötigt, kann in Einzelterminen gezielt Unterstützung beim Schreiben von Bewerbungen, der Kontaktaufnahme mit einem Arbeitgeber, bei Behördenproblemen oder auch der Wohnungssuche erhalten. Der regionale Stellenmarkt wird beobachtet, interessante Stellenangebote finden sich stets an der Pinnwand vor dem Sozialpädagogischen Dienst.
Jahrelange Erfahrung hat gezeigt, dass häufig auch nach Ausbildungsabschluss noch Hilfe benötigt wird. Daher legt der Sozialpädagogische Dienst Wert darauf, das Unterstützungsangebot auch über den Prüfungstag hinaus aufrecht zu erhalten. Manchmal kommt das böse Erwachen auch erst, wenn der ganze Druck erst mal abgefallen ist. Dann ist es gut, wenn es noch jemanden gibt, bei dem man mal anrufen kann, zum Bewerbungen schreiben vorbeigehen oder sich einen Rat holen kann.
Sandra K., 24 Jahre alt, hat 2006 ihre Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin mit Erfolg abgeschlossen. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten hat sie schon während des letzten Ausbildungshalbjahres intensiv die Arbeitssuche vorangetrieben. Häufige Termine bei der Integrationsberatung nutzte sie, um zahlreiche Bewerbungen zu verfassen. Mit Unterstützung organisierte sie Praktika in Hotels und Wäschereien, um sich und ihre Arbeitsleistung dort präsentieren zu können. Denn keine schriftliche Bewerbung kann so gut sein, dass sie eine hervorragende praktische Arbeitsleistung in den Schatten stellt. Trotz aller Bemühungen gelang es ihr jedoch nicht, noch während der Ausbildungszeit einen Arbeitsvertrag unterschreiben zu können. Sandra ließ jedoch nicht locker, kam regelmäßig nach Mosbach in das BBW, um weiterhin Bewerbungen zu schreiben und neue Strategien zu erwägen. Nach ein paar Fehlschlägen gelang es ihr schließlich, bei einem Hotel in ihrem Heimatort eine Anstellung auf Probe als Zimmermädchen zu erreichen.
Anfangs gab es noch ein paar Schwierigkeiten, der Kontakt zu ihrer Agentur für Arbeit gestaltete sich komplizierter als gedacht. Die Frage der Zuständigkeit stellte sich, das Arbeitslosengeld wurde natürlich eingestellt, damit fiel plötzlich die Krankenversicherung weg, die Kindergeldkasse wollte nicht mehr bezahlen. Schließlich besuchte Elke Hoheisel gemeinsam mit Sandra die Agentur für Arbeit in Heilbronn, die nach Beendigung der Ausbildung neuen Zuständigkeiten wurden geklärt und das Beschäftigungsverhältnis in geregelte Bahnen gelenkt.
Um Sandras Arbeitsleistung und -qualität besser beurteilen zu können und die Arbeitgeberin bei der etwas verlängerten Einarbeitungszeit zu unterstützen, wurde ein Probearbeitsverhältnis von drei Monaten vereinbart. In dieser Zeit bezahlte die Agentur für Arbeit Sandras Gehalt. Im ersten Monat fand ein gemeinsames Gespräch mit Sandra, ihrer Mutter, der Arbeitgeberin und Elke Hoheisel statt, um die Zielvorgaben abzustecken, Vorgehensweisen abzusprechen und die Unterstützung durch die Integrationsberatung zu definieren. Während der drei Monate gab es Kontakte zu Sandra, um in schwierigen Situationenberatend intervenieren zu können und auf dem Laufenden zu bleiben.
Im letzten Monat des Probearbeitsverhältnisses kam es erneut zu einem gemeinsamen Gespräch am Arbeitsplatz, um die bisherige Zeit zu reflektieren und die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Es zeigte sich, dass Sandra bereits gute Leistungen zeigte, jedoch noch Schwierigkeiten hatte, über einen kompletten Acht-Stunden-Tag hinweg konstant fehlerfreie, konzentrierte Arbeit zu leisten. Gemeinsam kam man zu dem Schluss, dass Sandra zunächst ein Teilzeitarbeitsverhältnis angeboten wird, sie die freie Zeit dazu nutzen wird, unterstützende Gesprächsangebote wahrzunehmen und ihren Führerschein zu machen. Die zuständige Agentur erklärte sich bereit, das nun unbefristete Anstellungsverhältnis für weitere neun Monate zu einem gewissen Prozentsatz zu bezuschussen, um der Arbeitgeberin die Möglichkeit zu geben, zusätzliches Personal zur Unterstützung von Sandra finanzieren zu können.
Weiterhin bestand ein regelmäßiger Austausch zwischen Sandra und Elke Hoheisel, um die Möglichkeit zur Reflektion anzubieten, Schwierigkeiten zügig bearbeiten zu können und in eventuell auftretenden Krisensituationen kurzfristig intervenieren zu können. Gespräche mit der Arbeitgeberin, um beide Sichtweisen abgleichen und beratend unterstützen zu können, tragen ebenso zu einem langfristigen Integrationserfolg bei.
Was haben alle Beteiligten davon?
Sandra, die hochmotiviert war, erhielt Unterstützung, um den Einstieg in das Berufsleben zu bewältigen, anstatt nur Frustrationserlebnisse zu haben. Die Arbeitgeberin hat eine fleißige, sehr bemühte Angestellte und konnte sich bei Schwierigkeiten Rat und Unterstützung holen. Die Verhandlungen mit der Agentur für Arbeit wurden ihr erleichtert, da durch die Integrationsberatung schon vorbereitende Gespräche stattgefunden hatten.
Die Agentur für Arbeit strebt eine langfristige Integration ihrer Rehabilitanden an und erhielt durch das BBW eine Einschätzung der Situation und Intervention in Krisensituationen.
Das Berufsbildungswerk der Johannes-Anstalten Mosbach bildet junge Menschen aus, um sie in ein selbstständiges Leben zu entlassen. Das Ziel ist erst dann erreicht, wenn die Absolventen tatsächlich die ersten erfolgreichen Erfahrungen in der Arbeitswelt gesammelt haben und auf ihrer Entwicklung hin zu selbstständigen, eigenverantwortlichen Menschen vom BBW unabhängige Schritte tun. Wenn dazu noch ab und zu eine kleine Unterstützung und Hilfestellung vonnöten ist, schmälert dies den zu erwartenden Erfolg in keiner Weise.
Sandra wünschen wir, dass sie weiterhin ihre Freude an der Arbeit behält und ihre Position im Berufsleben dauerhaft festigen kann. Dieses Beispiel zeigt nur eine Form der Unterstützungs- und Begleitungsmöglichkeit, die durch die Integrationsberatung angeboten wird. So individuell, wie einzelne Lebenswege verlaufen, entstehen ganz unterschiedliche Bedürfnisse nach Rat und Unterstützung in Krisensituationen. In ausführlichen Beratungsgesprächen kann ein klares Ziel vereinbart und nach Wegen gesucht werden, wie dieses mit vereinten Kräften erreicht werden kann.
Ansprechpartnerin Integrationsberatung
Elke Hoheisel
Tel.: 06261/88-529
E-Mail an Elke Hoheisel
Ansprechpartnerin Presseabteilung
Johannes-Diakonie Mosbach
Neckarburkener Str. 24
74821 Mosbach
Annette Peters
Pressereferentin
Telefon: 06261/88-577
Telefax: 06261/88-660
E-Mail an Annette Peters
Quelle: "Informationen" der Johannes-Anstalten Mosbach 2/2008