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Die erste Lese soll 1000 Liter Wein erbringen

"Arbeiter" im Weinberg, der kommunale und institutionelle Grenzen überwindet, sind hier: Christian Stuber, Roland Lauer, Michael Jann, Albert Stelzle, Christof Mölkner und vier Auszubildende des ersten Lehrjahres im BBW-Zweig Garten- und Landschaftsbau (von links). Foto: Ursula Brinkmann
"Arbeiter" im Weinberg, der kommunale und institutionelle Grenzen überwindet, sind hier: Christian Stuber, Roland Lauer, Michael Jann, Albert Stelzle, Christof Mölkner und vier Auszubildende des ersten Lehrjahres im BBW-Zweig Garten- und Landschaftsbau (von links).
Foto: Ursula Brinkmann

(ubr) Von einem Gleichnis lässt sich nicht reden. Gleichwohl sind an dem Projekt "Interkommunaler Weinberg", das am gestrigen Freitag in Neckarzimmern übergeben wurde, drei Kommunen und das Berufsbildungswerk (BBW) der Johannes-Anstalten Mosbach beteiligt – gleichermaßen. Die Reben im Gewann Grießle, um die es geht, wachsen hier zwar schon seit zehn Jahren, und auch die Idee wurde bereits Ende 2008 geboren.

Doch nun stehen Ausbilder Ansgar Herold und vier junge Männer des BBW zwischen den Rebstockreihen und berichten den Bürgermeistern Christian Stuber (Neckarzimmern), Roland Lauer (Obrigheim) und OB Michael Jann (Mosbach) von der Arbeit im Weinberg. Als Vertreter des BBW ist Fachbereichsleiter Albert Stelzle und Internatsleiter Christof Mölkner an der Vorstellung und Übergabe des Projekts deshalb gelegen, weil damit zum einen (fast) neue Wege im Ausbildungsgang Garten- und Landschaftsbau beschritten werden und zum anderen mit dem Produkt (Wein) die Rehabilitationseinrichtung eine weitere positive Darstellungsmöglichkeit erhält.

An einem Namen für den guten Tropfen und einem Etikett-Entwurf hat man daher schon gearbeitet: "Schulberg" ist gewiss eine Lagebezeichnung, die nicht verwechselt werden kann. Doch da sei man noch im Entwicklungsstadium, meinte Mölkner.

Der Weinberg, in dem Dreiviertel der Reben zur Sorte Müller-Thurgau zählen und ein Viertel Kerner-Reben sind, gehört der Gemeinde Neckarzimmern. Diese hat ihn am traditionellen Pachtablieferungstag, dem Martinstag 2008, an das BBW verpachtet. Seither wirken die Gartenbaufachwerker an dem Hang oberhalb des Neckarzimmerner Ortskerns und unweit der Burg Hornberg, deren Lagen Wallmauer und Götzhalde quasi angrenzen. Ausbilder Ansgar Herold, der in Oedheim eigene Rebflächen bewirtschaftet, widmet sich dem Weinberg nach den Regeln des integrierten Pflanzenschutzes. Die jungen Gartenbaufachwerker des BBW werden so um eine Ausbildungsvariante beim Garten- und Landschaftsbau bereichert. Albert Stelzle kann sich sogar vorstellen, den Weinbau zu einem zusätzlichen, eigenständigen Ausbildungszweig zu machen, "wenn wir genügend Flächen bewirtschaften können."

Dass die Idee Wirklichkeit werden könnte, ist gar nicht unwahrscheinlich. Denn Bürgermeister Stuber weiß: "Es gibt auf unserer Gemarkung einige Flächen, die von älteren Weinbauern bewirtschaftet werden; da ist abzusehen, dass die das eines Tages nicht mehr leisten können." Eine Nutzung wie in der nun übergebenen Schulberg-Lage erscheint ihm da sinnvoll.

Kollege Lauer sieht noch einen weiteren positiven Effekt: "Kleine Flächen sind schwierig zu bewirtschaften, und auf diese Weise kann ein Stück Kulturlandschaft erhalten werden." Und OB Jann fügt dem den "wichtigen Ausbildungsgedanken" hinzu.

Vinifiziert wird das Lesegut von der Gundelsheimer Kellerei "Weinbau Pavillon", die auch Burg Hornberger Weine ausbaut und vermarktet. Die Vermarktung im Falle des Schulberger Tropfens wird allerdings darin bestehen, dass die kooperierenden Gemeinden und das Berufsbildungswerk die Ergebnisse ihres Schaffens in Flaschen abfüllen, die sich bestens für Werbe- und Präsentationszwecke eignen.Die fürs erste Erntejahr avisierte Menge von rund 1000 Litern Rebensaft dürfte schnell aufgebraucht sein.

Für die diakonische Einrichtung ist das Projekt in Neckarzimmern kein Neuland. Zusammen mit dem ungarischen Köszeg wurde 2007 auf dem Johannes-Anstalten-Gelände in Mosbach ein Weinberg mit roten Sorten anglegt.

Beim Evangelisten Matthäus erhalten alle Arbeiter im Weinberg den gleichen Lohn, egal ob sie lange gearbeitet haben oder nur eine Stunde. Ein Vergleich mit dem biblischen Gleichnis wäre insofern gestattet, dass keiner der Neckarzimmerner "Winzer" auf maximalen Profit aus ist und aus dem Weinberg mehr als der andere herausholen will. Von diesem interkommunalen Weinberg können alle nur profitieren.


Quelle: www.RNZ.de / Regionalnachrichten 04./05.Juli 2009 von Ursula Brinkmann