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VAmB-Tag 2010 im BBW Mosbach

Von VAmB profitieren alle Beteiligten

Berufsbildungswerke und Betriebe verzahnen Ausbildung

Markus lernt im Rahmen der Verzahnten Ausbildung mit Betrieben (VAmB) Einzelhandelskaufmann. Das mache ihm viel Spaß, berichtet er. Auch Patrick nimmt an VAmB teil und lässt sich zum Fachinformatiker ausbilden. Gut seien die Chancen für ihn, von seinem Ausbildungsbetrieb später übernommen zu werden, erzählt er stolz. Christina strebt den Abschluss als Hauswirtschafterin an. Sie hofft noch auf einen Betrieb, der sich an VAmB beteiligt und ihr berufspraktische Erfahrungen ermöglicht. Der diesjährige VAmB-Tag wurde am 4. März vom Berufsbildungswerk Mosbach der Johannes-Diakonie Mosbach veranstaltet. An diesem konnten sich Markus, Patrick, Christina und andere Jugendliche über VAmB informieren und austauschen.

Schwingungen einer GitarrensaiteVAmB ist ein seit 2007 wachsendes Regelangebot von Berufsbildungswerken (BBWs), die junge Menschen mit Behinderung ausbilden. „Verzahnt heißt: Räder greifen ineinander – und bei VAmB sind es das Rad Berufsbildungswerk und das Rad Unternehmen.“ Dies erläuterte Albert Stelzle, Leiter des BBW Mosbach, in seiner Begrüßung der 80 Jugendlichen und Vertreter von neun BBWs aus Südwestdeutschland, der Vertreter von Unternehmen und Vertreter der Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer sowie Agentur für Arbeit.

Die Vorteile von VAmB sowohl für Jugendliche als auch für Betriebe führte Niels Reith von der Bundesarbeitsgemeinschaft der BBWs aus. Die Jugendlichen profitierten unter anderem davon, dass sie den realen Betriebsalltag kennenlernten, sich auch dort Fähigkeiten und Fertigkeiten aneigneten und durch Betriebskontakte ihre Bewerbungschancen auf dem Ersten Arbeitsmarkt erhöhten. Der Nutzen für Betriebe sei, dass sich die Auszubildenden doppelt auf die Schwerbehindertenquote anrechnen ließen, Betriebe BBW-Fachkräfte an der Seite hätten und sich gewinnbringenden Netzwerken anschließen könnten. Zudem schätzten Betriebsvertreter die hohe Motivation und Qualifikation der Auszubildenden. „Die Jugendlichen bekommen ihre Chance und nutzen sie auch“, sagte Reith. Unternehmen ermunterte er, sich weiter mit BBWs zusammenzutun und an VAmB zu beteiligen.

Rotes SofaNachdem sich jedes BBW kreativ vorgestellt hatte, konnten die Teilnehmenden Fragen an Fachleute auf dem roten Sofa stellen. „Welche Stärken hat VAmB für Betriebe?“ Die Jugendlichen seien durch die BBWs gut vorbereitet, wenn sie in die Betriebe gingen, so Kurt Gallion, Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar. „Gibt es Berührungsängste seitens der Unternehmen gegenüber Menschen mit Behinderung?“ Die gebe es manchmal, stellte Gallion fest, aber meistens klappe es mit der Ausbildung dann doch ganz gut. Für Claudia Orth, Abteilungsleiterin der Handwerkskammer (HWK) Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, stellte VAmB ein Gewinn für alle Beteiligten dar. „Wie kommen die Kontakte zwischen Unternehmen und BBWs zustande?“ Dieter Esser, Leiter der Berufsausbildung bei der Porsche AG, und Andreas Hefner, Küchenleiter des Kinderheims St. Kilian in Walldürn, erinnerten sich, dass die Initiativen (bis jetzt) von BBWs ausgegangen wären. „Müssen Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung angepasst werden?“ Für Porsche sei das nie ein Problem gewesen, so Esser. „Welche Schlüsselqualifikationen müssen Auszubildende mitbringen?“ Für die Befragten waren vor allem soziale Kompetenzen und praktische Erfahrungen entscheidend. „Sollen Bewerber mit ihrer Behinderung offen umgehen?“ Ehrlichkeit und Offenheit führe weiter, stellte Hefner fest. Orth bemerkte, dass dann auch mit Unterstützung gerechnet werden könne. „Hat die Wirtschaftskrise Auswirkungen auf Ausbildungsplätze?“ Kaum, so Orth. Sie mache Betriebe darauf aufmerksam, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten 20 Jahren ein Drittel weniger Schulabgänger geben würde. Betriebe müssen sich also auf einen Nachwuchsmangel vorbereiten. „Ist die Zielmarke, 25 Prozent der BBW-Jugendlichen in den kommenden fünf Jahren in Betrieben auszubilden, realistisch?“ Im Neckar-Odenwald-Kreis könne dies funktionieren, meinte Gallion. Orth sicherte dafür Unterstützung zu. Zweifel an der Zielmarke konnte Esser nachvollziehen. Er gab aber zu bedenken: Ohne das VAmB-Modell würde das Ergebnis schlechter werden als mit dem Modell. Dieses müsse so gut es geht ausgebaut werden.

In den anschließenden Workshops konnten sich die Jugendlichen in verschiedenen Ausbildungsbereichen des BBW Mosbach mit dem Thema „Schwingungen“ praktisch auseinandersetzen. Im landschafts- und gartenbaulichen Workshop von Ausbilder Alexander Riehm ebneten Jugendliche mit einer Rüttelplatte einen neu gepflasterten Weg. Verschiedene Verpackungsmaterialien testeten Lagerauszubildende mit  Workshopleiter Michael Kirsch darauf, wie gut sie Paketinhalte vor Bruch schützen. Ausbilder Heiner Huther machte für Teilnehmende aus Handwerksberufen unter anderem sichtbar, wie ein Tsunami entsteht. Vorschläge, mit denen zukünftige VAmB-Projekte noch besser umzusetzen sind, erarbeiteten die Workshopleiter Ferdinand Schmidt und Wilfried Dambach mit Jugendlichen kaufmännischer Berufe. Auszubildende aus hauswirtschaftlichen Bereichen beschwingten unter der Leitung von Thomas Leible vom BBW Offenburg und Luzia Karle die VAmB-Teilnehmenden mit ihren Kochkünsten.

Auch die zehn Musiker der BBW-Band swingten in musikalischen Zwischenspielen.

Bei der Abschlussrunde bestätigten die Teilnehmenden, dass das Ziel des VAmB-Tages erreicht worden sei: „Es hat sich gelohnt, nach Mosbach zu fahren.“

Organisiert wurde der VAmB-Tag von Ute Kahle, Christina Anger, Thorsten Kaiser und Wilhelm Kronawetter vom BBW Mosbach.



Dirk Adler
Öffentlichkeits- und Medienarbeit / Marketing
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