
Schule nach Maß – Unterricht in der Outdoor Klasse
Die Outdoor Klasse an der Schwarzbach Schule bietet seit April 2004 Schülern mit herausforderndem Verhalten und geistiger Behinderung eine ihren Bedürfnissen angepasste Beschulungsform, welche die Angebote der Therapeutischen Wohngruppen im schulischen Kontext ergänzt.
Die Schüler
Die Angebote der Outdoor Klasse richten sich an Schüler, die für eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht ein hohes Maß an individueller Zuwendung benötigen und die bisher keine konstante oder nur wenig Erfahrung mit Schule sammeln konnten. Es sind Schüler, die in ihrer Vergangenheit meist nur Einzelförderung erhalten haben, oft aus Gruppen ausgegrenzt wurden und psychiatrische Hilfe erhalten. Sie zeigen einen ausgeprägten Bewegungsdrang oder benötigen viel Freiraum.
Die Ziele und Grundannahmen des Unterrichts
Die Ziele und Inhalte des Unterrichts orientieren sich an den allgemeinen Zielen und Inhalten des Bildungsplans der Schule für Geistigbehinderte. Vorrangiges Unterrichtsziel ist dabei die „Erweiterung der Handlungsfähigkeit im sozialen Kontext“. Um dieses Ziel zu erreichen, erhalten die Schüler ausreichend Raum, in der Schule anzukommen, sie werden in ihrer Individualität angenommen und das herausforderndes Verhalten wird als subjektiv sinnvoll angesehen – was nicht bedeutet, dieses Verhalten gut zu heißen.
Ausgehend von dieser Grundannahme wird versucht, das Verhaltensrepertoire der Schüler zu erweitern und ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Auf diese Weise sowie durch eine tragfähige Beziehung zwischen Lehrern und Schülern kann eine soziale Integration der Schüler, zunächst in die eigene Klasse und später in die Schule, Schritt für Schritt gelingen.
Wichtig zum Erreichen dieser Ziele ist ein Unterrichtsangebot, das den Bedürfnissen der Schüler angepasst ist. Um diese Bedürfnisse zu erkennen, ist eine systemische Diagnostik, die das Umfeld und die Biographie der einzelnen Schüler analysiert, grundlegend.
Der Unterricht
Wie der Name „Outdoor Klasse“ schon sagt, verbringen die Schüler einen großen Teil der Schulzeit im Wald und auf den Wiesen, aber natürlich gibt es auch einen Klassenraum in der Schule, der häufig benutzt wird. Die Auswahl des Unterrichtsortes richtet sich immer nach dem aktuellen Befinden der Schüler. So kann es zu bestimmten Zeiten angebracht sein, ganze Tage im Freien zu verbringen, während es einige Zeit später vielleicht wieder angemessen ist, vermehrt im Klassenzimmer zu arbeiten.
Unterrichtsbeginn ist jeden Tag im Klassenraum. Dort treffen die Schüler ein, werden begrüßt und es besteht die Möglichkeit zum kurzen Austausch mit den Mitarbeitern der Wohngruppe. Meist geht es dann bald los zu einem kurzen Spaziergang. Für uns Lehrer ist diese Phase sehr wertvoll, da wir in dieser Zeit das aktuelle Befinden der Schüler wahrnehmen und uns darauf einstellen können. Ebenso haben die Schüler die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Eventuell zeigt es sich schon hier als sinnvoll, die weitere Tagesplanung umzustrukturieren und beispielsweise länger als geplant im Freien zu bleiben.
Wieder im Klassenraum findet die Morgenbesprechung statt. Dabei steht das Wahrnehmen und Ausdrücken der eigenen Gefühlslage im Mittelpunkt.
Nach dieser gemeinsamen Phase am Gruppentisch, die für die Schüler sehr anstrengend sein kann, folgt eine Zeit der Einzelarbeit, in der die Schüler mit Unterstützung der Lehrer ihren Wochenplan bearbeiten. Dieser besteht aus Aufgaben zu den Kulturtechniken, zum aktuellen Sachthema oder aus individuellen Förderangeboten.
Nach dem anschließenden gemeinsamen Frühstück folgen handlungsorientierte Angebote zum Sachthema oder zu Projekten, die den ganzen weiteren Vormittag andauern. Sie finden entweder im Wald und auf dem weit reichenden Gelände des Schwarzacher Hofes oder auf dem Schulgelände sowie im Klassenzimmer statt.
Warum Outdoor?
Es hat sich gezeigt, dass Wald und Wiese den Schülern die Gelegenheit bieten, Schule und Unterricht neu zu erfahren. Die Umgebung wirkt beruhigend auf die Schüler ein, da sie dort keine räumliche Einengung erfahren, ihrem Bewegungsdrang nachkommen dürfen, Lärm schneller verhallt und es weniger ablenkende Reize gibt. In der Natur können die Schüler sich selbst, ihren Körper und ihre Sinne neu erfahren und dabei leichter eigene Grenzen überwinden. Es gelingt ihnen dort leichter, sich für soziale und schulische Inhalte zu öffnen. Zudem besteht im Freien die Möglichkeit, mit den Schülern räumlich weit differenziert zu arbeiten und ihnen eine Rückzugsmöglichkeit zu geben, ohne dabei die Gruppe aus den Augen zu verlieren.
Outdoor und dann?
Der Unterricht sowie die Klassenstruktur der Outdoor Klasse sind einem regelmäßigen Wandel unterworfen, da regelmäßig neue Schüler in die Klasse kommen und andere sie verlassen. Das Ziel ist, die Schüler von offenen Lernangeboten im Freien hin zu immer räumlich begrenzterem Unterricht im Klassenraum zu führen.
Diese Entwicklung hin zum „schulischen Alltag“ wird durch die Kooperation mit Partnerklassen unterstützt, in die die Schüler, sobald es ihnen möglich ist, stundenweise gehen und in die sie auf Dauer ganz integriert werden können. Die „Besuche“ in den Partnerklassen sind den Schülern oft sehr wichtig, so dass es ihnen in diesem Zeitraum leichter gelingt, sich im sozialen Bereich, wie auch im dortigen Unterricht, ganz besonders anzustrengen.
Ist der Übergang in die andere Klasse gelungen, reißt der Kontakt zur Outdoor Klasse jedoch nicht gänzlich ab, sondern die Schüler kommen zunächst weiterhin ein paar Stunden in der Woche „zu Besuch“.
Weitere Informationen zur Outdoor Klasse sowie das Konzept finden Sie unter: www.besonderekinder-besonderewege-bw.de oder wenden Sie sich an die Schwarzbach Schule.