
Veranstaltung im Sozialpädiatrischen Zentrum
in Neckarelz
am 25.06.2003 von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Zu dieser Veranstaltung kamen etwa 50 Teilnehmer aus den Bereichen Kinderheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Landratsamt Mosbach, Gesundheitsämter Neckar-Odenwald-Kreis und Rhein-Neckar-Kreis, Schulpsychologischer Dienst und Schulamt Mosbach, Beratungsstellen Caritas und Diakonie Mosbach, Kindergartenfachberatung, niedergelassene Ergotherapeuten und Heilpädagogen, niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Mitarbeiter des Sozialpädiatrischen Zentrums Neckarelz und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Schwarzacher Hof.
Herr Dr. Broxtermann erläutert in seiner Einführung die Entstehung dieses Workshops aus einer hausinternen Arbeitsgruppe heraus sowie den Anregungen von Beratungsstellen, Kinderärzten und Landratsamt. Alle Teilnehmer werden eingeladen, sich am Netzwerk zu beteiligen und es so mit Leben zu erfüllen.
Herr Schäfer, Psychologe am SPZ, Frau Dr. Thaler, Neuropädiaterin am SPZ und Herr Klenk, Heilpädagoge am SPZ, stellen die hausinternen Standards für die Diagnostik und Behandlung von ADHS vor. Präsentation herunterladen (1,9 MB)
Herr Dr. Rudolf, damaliger Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schwarzach, nunmehr Chefarzt, stellt die Arbeitsweise der Klinik mit besonderem Bezug auf ADHS vor. Präsentation herunterladen (260 KB)
Anschließend finden Arbeitsgruppen über etwa 45 Min. statt. Diese Gruppen sind aufgegliedert in
a) Ärzte
b) Psychologen und Psychotherapeuten
c) Therapeuten und übrige
Workshopteilnehmer.
Aus der Arbeitsgruppe der Ärzte berichtet Herr Dr. Thaler später im Plenum: Die vom SPZ aufgestellten diagnostischen Kriterien stellen eine Idealstruktur dar. Sie sind im praktischen Alltag nicht immer zu realisieren. In der Praxis wird ein abgestuftes Vorgehen, je nach Schweregrad und Akuität des Krankheitsbildes vorgefunden. Dieses beinhaltet u.a. eine rasche Beratung der Eltern oder auch der Lehrer. Z.T. wird auch nach einer "Minimaldiagnostik", bestehend aus Anamnese, Untersuchungsbefund, Laboruntersuchungen sowie Fragebögen- Auswertungen (Eltern und Schule/Kindergarten) eine medikamentöse Therapie mit Methylphenidat begonnen. Der diagnostische Aufwand in einer Praxis wird mit 4-5 Stunden eingeschätzt, im SPZ mit 5-10 Stunden und in der Klinik mit mehreren Tagen bis Wochen.
Herausgestellt wird, dass wir zum einen einen guten diagnostischen Ansatz brauchen und zum anderen ein klares pädagogisches Konzept, um erziehungsbedingte Verhaltensauffälligkeiten klar vom Krankheitsbild des ADS trennen zu können.
Der Bereich der Therapie wird nur gestreift. Es wird darauf hingewiesen, dass ein Elterntraining von den meisten Beteiligten als sehr hochwertig eingeschätzt wird. Die Therapieangebote im Neckar-Odenwald-Kreis (Verhaltenstherapie, Gruppentherapie etc.) werden in allgemeiner Übereinstimmung als deutlich zu gering eingeschätzt.
Zu den diagnostischen Kapazitäten wird klar Stellung bezogen. Es ist derzeit so, dass die diagnostischen Kapazitäten des Neckar-Odenwald-Kreises den angefragten Bedarf nicht abdecken können. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass eine Aufmerksamkeitsstörung nie ein akut auftretendes Krankheitsbild ist, sondern in der Entstehung über Monate oder Jahre beobachtet werden kann. Akuter Handlungsbedarf entsteht überwiegend dann, wenn es zu sozialen Komplikationen, wie einer erheblichen familiären Belastungssituation, drohenden Kindergarten- oder Schulausschlüssen kommt.
Frau Mönikes berichtet aus der Arbeitsgruppe der Psychologen und Psychotherapeuten. Hier wird dem vorgeschlagenen diagnostischen Vorgehen des SPZ grundsätzlich zugestimmt, wobei dies als Maximalaufwand bewertet wird, der von anderen Einrichtungen nicht gewährleistet werden kann. Vorbehalte entstehen auch hier aus dem offenkundigen Missverhältnis zwischen der Nachfrage nach Diagnostik und den diagnostischen Kapazitäten.
Es wurde auch auf die unterschiedlichen Anforderungsprofile der beteiligten Institutionen hingewiesen. Die Beratungsstellen und niedergelassene Psychotherapeuten sehen sich insbesondere nicht in der Lage, Diagnostikaufträge z.B. von Kinderarztpraxen zu erfüllen.
Andererseits wird das Vorliegen einer fundierten medizinischen Diagnose z.B. im schulischen Umfeld als entlastend empfunden.
Ein Netzwerk der mit Diagnose und Therapie von ADHS befassten Fachgruppen und Institutionen wird allgemein begrüßt, um Schnittstellen, Tätigkeitsprofile und Kapazitäten zu erfassen.
Aus der Arbeitsgruppe der Therapeuten berichtet Herr Klenk. Auch hier gab es grundsätzliche Zustimmung zu den diagnostischen Vorgaben des SPZ. Andererseits wurde gefragt, ob es nicht auch möglich ist, ohne Stellung einer Diagnose bei einem verhaltensauffälligen Kind eine Therapie zu beginnen und symptomorientiert vorzugehen.
Weitere Diskussionspunkte:
Als weiterer Bedarf wurde angeregt, in einer nächsten Runde über gängige Behandlungsansätze bei ADHS zu diskutieren
Im anschließenden Plenum wurde eine große Zustimmung zur Idee des Netzwerks ADHS im Neckar-Odenwald-Kreis geäußert. Das Netzwerk wurde allgemein zum einen verstanden, als Forum in welchem Standards entwickelt, diskutiert und verabschiedet werden können. Zum anderen stellt ein solches Forum die Möglichkeit zu einer persönlichen Kontaktaufnahme und zum Abbau von Barrieren untereinander dar.
Von verschiedener Seite wurde der Wunsch formuliert, eine Datenbank zu erstellen, welche sowohl die Adressen als auch das diagnostische und therapeutische Profil der Teilnehmer am Netzwerk enthält. Das SPZ wird die Aufgabe der Informationssammlung und Aufstellung einer solchen Datenbank übernehmen. Zusammen gearbeitet werden soll hier mit Herrn Größler von der Arbeitsstelle Kooperation beim Schulamt Mosbach.
Es wird vereinbart, dass das SPZ Neckarelz ein zweites Forum zum Thema Therapie der Aufmerksamkeitsstörung veranstaltet und alle Teilnehmer entsprechend einlädt.
Auf Wunsch mehrerer Teilnehmer werden als 3. Anlage zu diesem Protokoll beigefügt die Verlaufsfragebögen (Wochen-Beurteilungsbögen für Eltern und Lehrer zu Austestung der medikamentösen Therapie) nach Döpfner. (Möglichkeit zum Download folgt.)
Wir bitten alle an einer Datenbank Interessierten, uns per E-mail folgende Daten zuzusenden:
Name der Praxis/Einrichtung; Adresse, Telefon- und Fax-Nr., E-mail-Adresse.
Außerdem bitte in Stichworten das diagnostische und therapeutische Profil in Bezug auf ADHS sowie die vorhandenen Kapazitäten (Dies wäre Voraussetzung zur Aufnahme in die Datenbank!).
Wir möchten Sie bitten, diese Informationen zu senden an Herrn Klenk.
E-Mail an Jürgen Klenk
Heidelberger Straße
20
74821 Mosbach
Fax.: 06261-971550
gez. Dr. med. W. Broxtermann, Chefarzt
gez. H. Schäfer,
Dipl. Psychologe