Elternseite zum Thema ADS/ADHS
Liebe Eltern,
Sie haben die Internetseite für Eltern angewählt, die Information über das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS) bei Kindern für Sie bereit hält. Sie haben auch die Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen. Die Antwort geht Ihnen per E-Mail zu und wird, wenn sie von allgemeinem Interesse ist, auch an dieser Stelle veröffentlicht, natürlich anonymisiert. Haben Sie bitte etwas Geduld, wenn die Beantwortung Ihrer Frage etwas Zeit in Anspruch nehmen sollte.
Ich möchte selbst eine Frage stellen!
Was bedeutet ADS, ADHS und HKS?
ADS, das ist die Abkürzung für Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Oft hört man auch die Abkürzung ADHS. Diese bedeutet Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, wobei Hyperaktivität die extreme Bewegungsunruhe der Kinder beschreibt. Ab und zu begegnet man auch der Abkürzung HKS (Hyperkinetisches-Syndrom). Dies ist gleichbedeutend mit ADHS.
Was versteht man unter Aufmerksamkeit?
Unter Aufmerksamkeit versteht
man die auf die Beachtung eines Objektes oder Vorgangs bzw. Gegenstandes
gerichtete Bewusstseinshaltung, durch die das Objekt in das Bewusstsein
aufgenommen wird. Dabei tritt auf der Objektseite ein Heraus-heben
bestimmter Teilinhalte und auf der Subjektseite ein erhöhter,
konzentrierter Einsatz des Aufnahme- und Verarbeitungsapparates
ein... (Zitat aus Psychologischem Wörterbuch Dorsch)
- Aufmerksamkeit lässt sich als ein Auswahlprozess beschreiben, der durch Bewusstheit und Wachheit unterstützt wird.
- Dieser Selektionsprozess kann auf etwas Bestimmtes gerichtet sein, dann spricht man von Tenazität, oder auf etwas Neues gerichtet sein, hierfür wird der Fachbegriff der Vigilität eingesetzt
- Die Vorgänge können unter direkter Kontrolle oder automatisiert ablaufen
- Anfängliche seriell ablaufende Prozesse könne später parallel einhergehen
- Vigilanz und selektive Aufmerksamkeit gehen am Kontinuum der Zeit in Konzentration über
Wie wirkt Serotonin?
- Vereinfacht dargestellt wirkt Serotonin wie eine Bremse
- Bei einer Verringerung nimmt die Bremswirkung ab und die Impulsivität zu
- Bei einer Erhöhung nimmt die Impulsivität ab und die Daueraufmerksamkeit zu
- Für das Lernen bedeutet das:
- Serotonin-Zunahme kann die Aufmerksamkeit für schwierige Lernstoffe steigern.
Wie wirkt Dopamin?
- Dopamin regelt die Umschaltung zwischen konkurrierenden Reizen
- Bei einer Verringerung wird die auf eine bestimmte Sache gerichtete Aufmerksamkeit gefördert
- Bei einer Erhöhung wird die Aufmerksamkeit auf mehrere Aspekte verteilt.
Wie wirkt Noradrenalin?
- Noradrenalin hat eine wichtige Rolle beim Lernverhalten; es steuert die Wachheit und Bewußtheit
- Bei einer Verringerung wird die Aufmerksamkeit auf viele Punkte gerichtet
- Bei einer Erhöhung führt es zu Stress
Gegen was sollte ein ADHS abgegrenzt werden?
ADHS sollte eindeutig von folgenden Störungen abgegrenzt werden:
- Sehstörungen, Hörstörungen, mangelnder Schlaf, Nebeneffekte von Medikamenten, Drogen, Alkohol
- Altersgemäße Verhaltensweisen bei aktiven Kindern. (Vor allem bei jüngern Kindern sind die Grenzen zwischen einem noch altersgemäßen Bewegungsdrang und Hyperaktivität oft schwer zu ziehen)
- Oppositionellen Verhaltensweisen z.B. wenn Kinder nicht gewillt sind, sich Forderungen anderer anzupassen
- Tiefgreifende Entwicklungsstörungen, Schizophrenie oder andere psychotische Störungen
Welche Begleiterkrankungen gibt es bei ADHS?
- 50 % oppositionelle Störung des Sozialverhalten (Aggressionen,Schimpfwortsprache)
- 30 - 50 % Störung des Sozialverhaltens (Lügen, Stehlen, Weglaufen)
- 10 - 40 % depressive Störungen
- 20 - 25 % Angststörungen
- 10 - 25 % Teilleistungsstörungen, Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche
- bis 30 % Tic-Störungen
Wie ist der ungefähre Verlauf von unbehandeltem ADHS?
Säuglings- und Kleinkindalter
- sehr hohes psychophysiologisches Aktivitätsniveau
- Schlafprobleme, Eßprobleme, gereizte Stimmung
- negative Eltern-Kind-Interaktion
Vorschulalter
- Hyperaktivität (ziellose Aktivitäten)
- geringes Spielintensität und Ausdauer
- Entwicklungsdefizite
- oppositionelles Verhalten
- Aggression gegen Gleichaltrige
Grundschulalter
- Unruhe, Ablenkbarkeit im Unterricht
- Lernschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche
- Ablehnung von Gleichaltrigen
Jugendalter
- Verminderung der motorischen Unruhe
- Aufmerksamkeitsstörung bleibt bestehen
- dissoziales Verhalten bis 30% Delinquenz
- Alkohol und Drogenmißbrauch
Welche Hilfen gibt es bei ADHS?
Verhaltenstherapeutische Verfahren:
Eltern- und familienzentrierte Verfahren
- Elterntraining oder Eltern-Kind-Therapien zielen auf eine Verbesserung der Eltern-Kind Interaktion hin
Kindergarten - und schulzentrierte Interventionen
- Diese Ansätze versuchen positives Verhalten in der entsprechenden Situation zu verstärken
Patientenzentrierte Verfahren
- Selbstinstruktionstrainings
- Selbstmanagement
- Spieltraining
Pharmakotherapie:
Methylphenidat (Ritalin oder Medikinet)
- Sehr wirksames Psychostimulanz
- Verstärkt die Wirkung des Neurotransmitters Dopamin
D-Amphetamin (Rezeptur)
- Etwas geringer wirksam als Methylphenidat
- Höhere Nebenwirkung als Methylphenidat
Trizyklische Antidepressiva (Tofranil, Petrofan)
- Greift in den Noradrenalin-Stoffwechsel ein