
Allgemein
Neurophysiologie ist die Lehre von den Vorgängen im Nervensystem.
Neurophysiologische Untersuchungen sind wichtiger Bestandteil
der Diagnostik im SPZ.
EEG
Elektroenzephalographie ( Hirnstrommessung )
Ähnlich dem EKG, mit dem die elektrische Aktivität des Herzens registriert
wird, erfolgt mit dem EEG die Aufzeichnung der elektrischen Hirnaktivität.
Es wird somit kein Strom zugeführt, vielmehr nur das registriert, was sich
an elektrischer Aktivität mit Oberflächenelektroden aufzeichnen lässt.
Das Kind bekommt dazu eine der Kopfgröße angepasste Haube aufgesetzt.
Eine Ableitung erfolgt bei größeren Kindern im Liegen, bei Kleinen
auf dem Schoß der Begleitperson. Eine Wachableitung dauert etwa 30 min,
eine Schlafableitung etwa 45min. Daneben gibt es auch die Möglichkeit einer
mobilen Langzeitableitung. Bedeutsam ist die Registrierung des EEGs zur Erfassung
und Verlaufskontrolle bei erhöhter Anfallsbereitschaft, wie sie bei Epilepsien
besteht, zur Erkennung umschriebener Veränderungen des Gehirns und zur
Beurteilung der Hirnreife.
NLG
Nervenleitgeschwindigkeit
Es wird eine motorische und eine sensible NLG unterschieden.
Bei der motorischen NLG wird ein Arm-, Bein- oder Gesichtsnerv
elektrisch gereizt und das Antwortpotential durch Oberflächenelektroden
von einem Muskel, der von diesem Nerv versorgt wird, abgeleitet.
Indem diese Stimulation in mindestens zwei Höhenabschnitten
erfolgt, lässt sich die NLG zwischen diesen Punkten errechnen
(z.B. 50 m/sec). Die Untersuchung geht schnell, ist aber etwas unangenehm
durch die kurze elektrische Stimulation. Bei der sensiblen NLG (Untersuchung
von Gefühlsnerven) wird meist nur ein Kribbeln bemerkt. Die Messung
ist in der Kinderheilkunde v.a. bedeutsam bei angeborenen Erkrankungen,
die mit einer Neuropathie (Erkrankung der "peripheren" Nerven)
einhergehen, bei entzündlichen Nervenerkrankungen und bei (geburts)traumatischen
Verletzungen zur Verlaufkontrolle bzw. zur Beurteilung, ob eine Operation
sinnvoll ist.
EMG
Elektromyographie
(elektrische Untersuchung des Muskels)
Direkte
Untersuchung des Muskels mit feinen Nadeln. Bei Muskelschwäche
wichtig zur Unterscheidung, ob die Ursache im Muskel selbst liegt
oder durch
eine Erkrankung der versorgenden Nerven bedingt ist.
EP
Evozierte
Potentiale
Spezifische
Potentiale, die durch verschiedene Reize ( akustisch, sensibel,
visuell ) durch Averaging ( wiederholte Reize ) aus der elektrischen
Hirnaktivität "herausgemittelt" werden
können. EPs sind u.a. bedeutsam zur Reifebeurteilung
des Gehirns, zur funktionellen Hirndiagnostik, als Kontrolle bei
Hirnverletzungen und -blutungen. Die akustisch evozierten
Potentiale sind
mit verschiedenen Lautstärken abgeleitet zur objektiven Hörschwellen
diagnostik wichtig. Diese Untersuchungen brauchen jeweils etwa
30- 60 min. Da
es sich um sehr kleine, störanfällige Potentiale handelt,
erhalten kleine Kinder
vor der Untersuchung einen Schlaftrunk.
Allgemein
Die Ultraschalldiagnostik hat in der Kinderheilkunde in vielen Bereichen das Röntgen ersetzt, da die Ultraschallwellen als unschädlich angesehen werden. Diese Schallwellen werden über den Schallkopf, der durch ein Kabel mit dem Ultraschallgerät verbunden ist, "in den Körper gesendet". Die Wellen werden von den verschiedenen Organen in unterschiedlichem Ausmaß reflektiert und im Ultraschallgerät in ein Bild umgewandelt, das auf dem Bildschirm zu sehen ist und ausgedruckt werden kann.
Schädelsonographie
Bei Säuglingen können so vor dem vollständigen Verschluss der Schädelnähte Auffälligkeiten wie Gehirnfehlbildungen, Blutungen, eine Erweiterung der Hirnwasserräume festgestellt werden.
Abdomensonographie
Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes
Die
Beurteilung der inneren Organe ist z.B. zum Ausschluss von Fehlbildungen
und Tumoren wichtig.
Allgemein
Je jünger ein Kind ist, desto objektiver, d.h. von der Mitarbeit des Kindes unabhängig, muss das Hördiagnostikverfahren sein. An objektiven Verfahren leiten wir OAE (Otoakustische Emissionen) ab oder/und führen eine BERA (brainstem electric response audiometry = FAEP frühe akustisch evozierte Potentiale) durch. Bei uns durchgeführte Verfahren, die von der Mitarbeit des Kindes abhängig sind und daher erst bei größeren Kindern durchgeführt werden können, sind die Sprach- und die Tonaudiometrie.
Hörstörungen
Schallleitungsschwerhörigkeiten
entstehen
durch eine Störung im Mittelohr und/oder am äußeren
Ohr. Das Innenohr, in dem die Schallwellen
in elektrische Impulse umgewandelt werden, arbeitet normal. Eine
Schallleitungsschwerhörigkeit kommt bei Kindern am
häufigsten
als Folge von Tubenbelüftungsstörungen
mit Paukenergüssen und chronischer Mittelohrentzündung
vor.
Schallempfindungsschwerhörigkeiten
entstehen
durch eine Störung im Innenohr in der Cochlea (Hörschnecke).
Diese Formen können angeboren sein, vorgeburtlich entstehen
oder sekundär z. B. durch Infektionen, Verletzungen, Medikamente
erworben sein.
Hörprüfmethoden
Otoakustische
Emissionen (OAE)
OAE sind Schallsignale aus der Cochlea
(Hörschnecke) im Innenohr. Die Messung geht
schnell, ist schmerzfrei, meist ohne Beruhigungsmittel möglich
und v. a. bei Neugeborenen und Säuglingen eine verlässliche
Methode. Es können damit Schäden der Hörschnecke
diagnostiziert werden. Bei Mittelohrerkrankungen sind ebenfalls
keine OAE nachweisbar. Bei
der Untersuchung wird ein kleines Mikrophon mit einem Stöpsel
in den äußeren Gehörgang
gehalten. So ist erklärlich, dass bei Mittelohrerkrankungen
die Antwort aus der Hörschnecke das Mikrophon im äußeren
Gehörgang nicht erreichen kann.
Bera (=FAEP)
entspricht
einer speziellen Registrierung eines Hirnstrom-Signals.
Dabei werden Potentiale registriert, die im Verlauf der Hörbahn
durch akustische Stimulation entstehen. Da es sich um sehr kleine,
störanfällige
Potentiale handelt, die durch häufige Wiederholung
aus der elektrischen Hintergrundaktivität "herausgemittelt"
werden, müssen die Kinder sehr ruhig und entspannt daliegen.
Häufig benötigen
kleinere Kinder ein Beruhigungsmittel vor der Untersuchung. Die
akustische Stimulation erfolgt über Kopfhörer, die Ableitung
durch Klebeelektroden. Die Untersuchung ist völlig
schmerzfrei. Es werden spezielle Wellen (Potentiale I bis V)
registriert. Ist bei einem Stimulationspegel von 20 – 30
dB noch eine Welle V zu registrieren, kann von einem normalen (peripheren)
Hörvermögen
im Bereich zwischen 2 – 4 kHz ausgegangen werden.