Johannes-Diakonie Mosbach

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Was versteht man eigentlich unter ...

Neurophysiologie - EEG, NLG, EMG, EP

Allgemein

Neurophysiologie ist die Lehre von den Vorgängen im Nervensystem. Neurophysiologische Untersuchungen sind wichtiger Bestandteil der Diagnostik im SPZ.

EEG

Elektroenzephalographie ( Hirnstrommessung )
Ähnlich dem EKG, mit dem die elektrische Aktivität des Herzens registriert wird, erfolgt mit dem EEG die Aufzeichnung der elektrischen Hirnaktivität. Es wird somit kein Strom zugeführt, vielmehr nur das registriert, was sich an elektrischer Aktivität mit Oberflächenelektroden aufzeichnen lässt. Das Kind bekommt dazu eine der Kopfgröße angepasste Haube aufgesetzt. Eine Ableitung erfolgt bei größeren Kindern im Liegen, bei Kleinen auf dem Schoß der Begleitperson. Eine Wachableitung dauert etwa 30 min, eine Schlafableitung etwa 45min. Daneben gibt es auch die Möglichkeit einer mobilen Langzeitableitung. Bedeutsam ist die Registrierung des EEGs zur Erfassung und Verlaufskontrolle bei erhöhter Anfallsbereitschaft, wie sie bei Epilepsien besteht, zur Erkennung umschriebener Veränderungen des Gehirns und zur Beurteilung der Hirnreife.


NLG

Nervenleitgeschwindigkeit
Es wird eine motorische und eine sensible NLG unterschieden. Bei der motorischen NLG wird ein Arm-, Bein- oder Gesichtsnerv elektrisch gereizt und das Antwortpotential durch Oberflächenelektroden von einem Muskel, der von diesem Nerv versorgt wird, abgeleitet. Indem diese Stimulation in mindestens zwei Höhenabschnitten erfolgt, lässt sich die NLG zwischen diesen Punkten errechnen (z.B. 50 m/sec). Die Untersuchung geht schnell, ist aber etwas unangenehm durch die kurze elektrische Stimulation. Bei der sensiblen NLG (Untersuchung von Gefühlsnerven) wird meist nur ein Kribbeln bemerkt. Die Messung ist in der Kinderheilkunde v.a. bedeutsam bei angeborenen Erkrankungen, die mit einer Neuropathie (Erkrankung der "peripheren" Nerven) einhergehen, bei entzündlichen Nervenerkrankungen und bei (geburts)traumatischen Verletzungen zur Verlaufkontrolle bzw. zur Beurteilung, ob eine Operation sinnvoll ist.

EMG

Elektromyographie (elektrische Untersuchung des Muskels)
Direkte Untersuchung des Muskels mit feinen Nadeln. Bei Muskelschwäche wichtig zur Unterscheidung, ob die Ursache im Muskel selbst liegt oder durch eine Erkrankung der versorgenden Nerven bedingt ist.

EP

Evozierte Potentiale
Spezifische Potentiale, die durch verschiedene Reize ( akustisch, sensibel, visuell ) durch Averaging ( wiederholte Reize ) aus der elektrischen Hirnaktivität "herausgemittelt" werden können. EPs sind u.a. bedeutsam zur Reifebeurteilung des Gehirns, zur funktionellen Hirndiagnostik, als Kontrolle bei Hirnverletzungen und -blutungen. Die akustisch evozierten Potentiale sind mit verschiedenen Lautstärken abgeleitet zur objektiven Hörschwellen diagnostik wichtig. Diese Untersuchungen brauchen jeweils etwa 30- 60 min. Da es sich um sehr kleine, störanfällige Potentiale handelt, erhalten kleine Kinder vor der Untersuchung einen Schlaftrunk.

Sonographie- Ultraschalldiagnostik

Allgemein

Die Ultraschalldiagnostik hat in der Kinderheilkunde in vielen Bereichen das Röntgen ersetzt, da die Ultraschallwellen als unschädlich angesehen werden. Diese Schallwellen werden über den Schallkopf, der durch ein Kabel mit dem Ultraschallgerät verbunden ist, "in den Körper gesendet". Die Wellen werden von den verschiedenen Organen in unterschiedlichem Ausmaß reflektiert und im Ultraschallgerät in ein Bild umgewandelt, das auf dem Bildschirm zu sehen ist und ausgedruckt werden kann.

Schädelsonographie

Bei Säuglingen können so vor dem vollständigen Verschluss der Schädelnähte Auffälligkeiten wie Gehirnfehlbildungen, Blutungen, eine Erweiterung der Hirnwasserräume festgestellt werden.

Abdomensonographie

Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes
Die Beurteilung der inneren Organe ist z.B. zum Ausschluss von Fehlbildungen und Tumoren wichtig.

Hördiagnostik

Allgemein

Je jünger ein Kind ist, desto objektiver, d.h. von der Mitarbeit des Kindes unabhängig, muss das Hördiagnostikverfahren sein. An objektiven Verfahren leiten wir OAE (Otoakustische Emissionen) ab oder/und führen eine BERA (brainstem electric response audiometry = FAEP frühe akustisch evozierte Potentiale) durch. Bei uns durchgeführte Verfahren, die von der Mitarbeit des Kindes abhängig sind und daher erst bei größeren Kindern durchgeführt werden können, sind die Sprach- und die Tonaudiometrie.

Hörstörungen

Schallleitungsschwerhörigkeiten
entstehen durch eine Störung im Mittelohr und/oder am äußeren Ohr. Das Innenohr, in dem die Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt werden, arbeitet normal. Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kommt bei Kindern am häufigsten als Folge von Tubenbelüftungsstörungen mit Paukenergüssen und chronischer Mittelohrentzündung vor.
Schallempfindungsschwerhörigkeiten
entstehen durch eine Störung im Innenohr in der Cochlea (Hörschnecke). Diese Formen können angeboren sein, vorgeburtlich entstehen oder sekundär z. B. durch Infektionen, Verletzungen, Medikamente erworben sein.

Hörprüfmethoden

Otoakustische Emissionen (OAE)
OAE sind Schallsignale aus der Cochlea (Hörschnecke) im Innenohr. Die Messung geht schnell, ist schmerzfrei, meist ohne Beruhigungsmittel möglich und v. a. bei Neugeborenen und Säuglingen eine verlässliche Methode. Es können damit   Schäden der Hörschnecke diagnostiziert werden. Bei Mittelohrerkrankungen sind ebenfalls keine OAE nachweisbar. Bei der Untersuchung wird ein kleines Mikrophon mit einem Stöpsel in den äußeren Gehörgang gehalten. So ist erklärlich, dass bei Mittelohrerkrankungen die Antwort aus der Hörschnecke das Mikrophon im äußeren Gehörgang nicht erreichen kann.
Bera (=FAEP)

entspricht einer speziellen Registrierung eines Hirnstrom-Signals. Dabei werden Potentiale registriert, die im Verlauf der Hörbahn durch akustische Stimulation entstehen. Da es sich um sehr kleine, störanfällige Potentiale handelt,   die durch häufige Wiederholung aus der elektrischen Hintergrundaktivität "herausgemittelt" werden, müssen die Kinder sehr ruhig und entspannt daliegen. Häufig benötigen kleinere Kinder ein Beruhigungsmittel vor der Untersuchung. Die akustische Stimulation erfolgt über Kopfhörer, die Ableitung durch Klebeelektroden. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei. Es werden spezielle Wellen (Potentiale I bis V) registriert. Ist bei einem Stimulationspegel von 20 – 30 dB noch eine Welle V zu registrieren, kann von einem normalen (peripheren) Hörvermögen im Bereich zwischen 2 – 4 kHz ausgegangen werden.