Johannes-Diakonie Mosbach

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Neuropsychologisches Training in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Effektives Programm mit SpaßfaktorKind mit Betreuerin am PC

In der aktuellen Forschung kristallisiert sich immer mehr die Erkenntnis heraus, dass die kognitiven Funktionen einen wesentlichen Einfluss auf Entstehung, Art und Verlauf psychischer Störungen haben. Sie sind bedeutsam für die Prognose und gleichzeitig für die Lebensqualität der Patienten. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (KJPP) auf dem Schwarzacher Hof der Johannes-Diakonie Mosbach bezieht man diagnostizierte Störungen der Denkfunktionen daher so frühzeitig wie möglich in die Therapieplanung mit ein.

Für Kinder und Jugendliche haben Computer oft eine besondere Anziehungskraft. In der KJPP hat man sich diese Attraktivität zunutze gemacht: Die Schwarzacher Klinik hat als eine der wenigen deutschen Einrichtungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie das computergestützte neuropsychologische Training eingeführt. Im Folgenden berichtet Heilpädagogin Kirsten Weidinger über ihre Erfahrungen:

»Bei meiner Tätigkeit als Heilpädagogin im therapeutischen Dienst der KJPP begegnen mir täglich Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten Krankheitsbildern. Meine Aufgabe besteht darin, Methoden zu finden und anzuwenden, die dazu beitragen, die individuelle Entwicklung der Patienten zu fördern. Dazu gehört auch, Kinder und Jugendliche mit kognitiven Beeinträchtigungen, die grundsätzlich bei vielen psychischen Störungen auftreten können, zu behandeln.

Häufig treten diese Defizite im Zusammenhang mit schizophrenen Erkrankungen auf. Sie äußern sich durch Störungen der Konzentration, verminderte Leistungen des Gedächtnisses, der Vigilanz (»Wachsamkeit«), der Auffassung und anderes mehr. Oft ist auch die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit herabgesetzt oder aber stark beschleunigt und dadurch flüchtig und lückenhaft. Aufgrund dieser Einschränkungen verringert sich die Möglichkeit, Alltags- und Entwicklungsaufgaben zu bewältigen, mit dem sozialen Umfeld zu kommunizieren sowie an rehabilitativen Maßnahmen teilzunehmen, oft erheblich.

Ein weiterer Personenkreis umfasst Kinder und Jugendliche mit gravierenden Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration, meist im Rahmen einer AD(H)S-Störung (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit und ohne Hyperaktivität). Kinder und Jugendliche mit dieser Erkrankung können sich nur schwer konzentrieren und/oder die Konzentration nur für kurze Zeit aufrechterhalten. Denk- und Lernprozesse sind durch das mangelnde Arbeitszeitgedächtnis, durch Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen sowie beim Entwickeln von Strategien deutlich erschwert.

Diese Patienten haben nicht nur in der Schule, sondern generell in Gruppen große Schwierigkeiten, sich adäquat zu verhalten, vor allem, da sie oft zusätzlich zu den genannten Beeinträchtigungen unter motorischer Unruhe und mangelnder Impulskontrolle leiden. Für beide Personenkreise besteht neben der Behandlung mit verschiedenen Papier-Bleistift-Programmen, ausgewählten Spielen und speziellen Beschäftigungen auch die Möglichkeit, mit besonderer Software am PC zu arbeiten.

Das Training am PC wird von jungen Patienten in hohem Maße akzeptiert, und ich habe bisher noch keinen einzigen Fall von Verweigerung erlebt. Somit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg der therapeutischen Behandlung gegeben: die Motivation des Patienten.

Als neuropsychologisches Trainingsprogramm steht mir mit Cogpack® ein sehr umfangreiches und gut zu bedienendes PC-Programm zur Verfügung. Cogpack® wurde 1985 für und mit Menschen mit Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis entwickelt und seither fortwährend weiterentwickelt und wissenschaftlich begleitet. Es bietet unter Themenbegriffen wie Aufmerksamkeit, Problemlösung, Konzeptbildung, logisches Denken, Reaktion, Gedächtnis, alltagsnahe Fähigkeiten, Sachwissen, Sprache, Visumotorik und Vigilanz zahlreiche Aufgaben, die sich durch ihren hohen Aufforderungscharakter auszeichnen.

Anreize zum Besserwerden

Die Übungen können individuell für jeden Patienten eingestellt werden, z.B. indem sie im Aufgabenumfang angepasst oder im Schwierigkeitsgrad verändert werden. Die Ergebnisse werden dem Patienten direkt nach jeder Aufgabe vom Programm rückgemeldet. Diese Rückmeldung fördert Transparenz und schafft Anreize, sich zu verbessern.

Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, den Trainingsverlauf jedes Einzelnen zu dokumentieren. Im Patientenprofil werden die Leistungen des Patienten mit denen verschiedener wählbarer Diagnosegruppen oder Nichtpatienten verglichen und graphisch dargestellt. Eine Verlaufskontrolle wird somit deutlich vereinfacht. Außerdem bietet sich zusätzlich an, anhand dieses Profils den Therapieverlauf mit reflexionsbereiten Jugendlichen zu besprechen und die Ziele anzupassen oder neu zu definieren. In zahlreichen Fällen hat sich dies als sehr motivationsfördernd erwiesen.

Individuelle Problemlösung

Im Rahmen der heilpädagogischen Förderung ist es auch meine Aufgabe, verschiedene Methoden verantwortungsbewusst einzusetzen. Das bedeutet nicht nur, dass Schwierigkeitsgrad und Umfang bestimmter Aufgaben aus Cogpack® individuell angepasst werden müssen, um eine Über- oder Unterforderung möglichst zu vermeiden. Ebenso wichtig ist die enge Begleitung während des Trainings am PC. Ich habe so die Möglichkeit, das Arbeitsverhalten des Patienten und seine individuelle Art der Problemlösung und Strategieentwicklung genau zu beobachten. Nur so kann ich sinnvolle Entscheidungen hinsichtlich Aufgabenauswahl, etwaigen Hilfestellungen und Schwierigkeitsgradanpassung treffen.

Was, die Zeit ist schon um?

Cogpack® ist also hinsichtlich der therapeutischen Behandlung der genannten Beeinträchtigungen sehr hilfreich und wertvoll – und mit Spaß verbunden. Von jungen Patienten, die gerade ein 30-minütiges Trainingsprogramm absolviert haben, höre ich auf meine Aufmunterung, sich noch ein Spiel auszusuchen, häufig ein bedauerndes: »Was, die Zeit ist schon um?«