
PRESSEINFORMATION vom 15. Juni 2009
Mosbach/Bad Rappenau. Was ist die Seele? Wenn Sprache an ihre Grenzen stößt, kann die Kunst weiterhelfen. Ein Bild der Seele stellt sich dann etwa so dar: Sie ist ein nach unten offenes Oval aus schwarzen, roten und gelben Farben, und um sie legt sich eine rötliche Schicht. Eine grüne Hülle hält beides zusammen. Die Darstellung ist neben anderen Bildern in der Ausstellung „Bewegte Farben – Farben bewegen“ der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Anstalten Mosbach zu sehen, die am 10. Juni in der Salinenklinik in Bad Rappenau eröffnet worden ist.
„Das Rote ist mein Körper. Und das Innen meine Seele. Der geht´s gerade nicht gut. Ich habe schon viel Scheiße durchgemacht. Mobbing – im Internat und in der Schule. Das war schwer. Ich weiß nicht, was meiner Seele gut tun würde“, zitiert ein Schild unter dem Bild den Künstler und was beim Malen in ihm vorging.
Für Katja Stoll, als Maltherapeutin stundenweise in der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Anstalten Mosbach tätig, ist die Kunst eine Möglichkeit, die Seele sprechen zu lassen, erläutert sie bei der Ausstellungseröffnung. Die Künstler sind Patientinnen und Patienten der Station für Menschen mit geistiger Behinderung, die in Kleingruppen oder der Einzelbetreuung malen. Worauf es dabei vor allem ankommt, seien die künstlerischen sowie individuellen und gemeinschaftlichen Prozesse beim Malen. Durch das künstlerische Schaffen rissen Menschen mit Behinderungen Mauern ein und höben ihre Isolation auf, erklärt Stoll. Schon durch einen Pinselstrich äußerten sie sich in die Umwelt und stellte sich somit auch der Herausforderung, mit anderen Menschen zu kommunizieren.
Stolls Einführung vorausgegangen war die Begrüßung durch Elke Rothfuß, Verwaltungsleiterin der Kur- und Klinikverwaltung Bad Rappenau, und die Vorstellung der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Anstalten Mosbach durch deren Chefarzt Dr. Burkhard Lang. Zu den Gästen der Kur- und Klinikverwaltung gehörten: Geschäftsführer Olaf Werner und Mitglieder des Verwaltungsrates sowie Gemeinderatsmitglieder aus Bad Rappenau. Von den Johannes-Anstalten Mosbach waren bei der Ausstellungseröffnung vertreten: Dr. Alexander Vater, Stellvertreter des Geschäftsführers, Hermann-Josef Mönikes, Koordinator im Fachbereich Gesundheit, Dr. Joachim Kühlewein, Leitender Arzt des Heimärztlichen Dienstes, und Gerhard Nelius, ehemaliger Mitarbeiter, der die Kunstausstellung auch mit vorbereitet hatte.
Nachdem der Singkreis und die Orff-Gruppe der Johannes-Anstalten unter der Leitung von Peter Bechtold „schön, laut und klasse“ (Elke Rothfuß) den musikalischen Auftakt beendet hatten, lud Stoll die Besucher ein, die Ausstellung zu besichtigen und sich „einzulassen auf ein Stück Seele, das ein Mensch hinterlassen hat“. In der Bildergalerie konnten die Gäste dann unter dem Bild der Seele weiter lesen: „Auf dem Bild würde ihr vielleicht grün gut tun. Wie eine grüne Schutzschicht. Ja, das ist gut. Jetzt geht´s mir besser“.
Die Ausstellung ist bis zum 31. August 2009 in der Salinenklinik, Salinenstraße 43 in Bad Rappenau, von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Sie ist die zweite von vier Ausstellungen in der Kunstreihe „Trotz Einschränkungen Großartiges schaffen“ der Salinenklinik. Sie beschäftigt sich mit „allem, was mit Behinderung zu tun hat“, fasst Elke Rothfuß zusammen. Die Ausstellung „Bewegte Farben – Farben bewegen“ ist aus dem Projekt „Kunst in der Psychiatrie“ der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Anstalten Mosbach hervorgegangen, das Katja Stoll leitet. Es ist 2006 gestartet und wird durch Spendengelder ermöglicht. Die Bankverbindung für Unterstützer des Projektes ist: Sparkasse Neckartal-Odenwald, Verwendungszweck: Kunsttherapie Neuropsychiatrie 1, Konto: 300 214 4, BLZ: 674 500 48. (da)