Johannes-Diakonie Mosbach

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PRESSEINFORMATION vom 28. August 2009

Basisnahe Politik auch für Menschen mit Behinderung

Bundestagskandidatin zu Besuch bei den Johannes-Anstalten Mosbach

Mosbach. Sozial- und gesundheitspolitische Themen der Behindertenhilfe erörterten SPD-Bundestagskandidatin Gabriele Teichmann und Reinhard Adler, Geschäftsführer der Johannes-Anstalten Mosbach, am 20. August in den Johannes-Anstalten. Im Sinne der von ihr verfolgten „basisnahen Politik“ suchte Teichmann den direkten Kontakt mit den Johannes-Anstalten, um persönlich Rede und Antwort zu Belangen der Menschen mit Behinderung zu stehen.

Die Grundlage für das Gespräch bildete der Fragenkatalog des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe (BeB), den dieser im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahlen an Kandidatinnen und Kandidaten richtete. In ihrer Stellungnahme sprechen sich die Sozialdemokraten dafür aus, mitzuwirken an einer inklusiven Gesellschaft, d.h. „dass alle Menschen mit Behinderungen an der Gesellschaft gleichberechtigt aktiv teilhaben können“. Dies war der Ausgangspunkt, von dem aus sich Teichmann und Adler über beiderseitige Erwartungen und Ziele in den Bereichen Gesellschaft, Schule, Arbeit und Gesundheit austauschten.

Die Hilfsangebote für Menschen mit Behinderung würden weiter dezentral, regional und ambulant ausgebaut, erläuterte Adler die zukünftige Ausrichtung Johannes-Anstalten. Er zeigte aber auch die Grenzen auf, die etwa Einschränkungen von Menschen mit Schwer- und Schwerstmehrfach-Behinderung setzten. Preisliche Höchstgrenzen der Kostenträger bei den ambulanten Wohnangeboten entsprächen in vielen Fällen nicht dem hohen Assistenzbedarf der Menschen. Teichmann erklärte, wo die eigenen Kräfte des Menschen mit Behinderung nicht reichten, müsse dieser aber unterstützt werden.

Bundestagskandidatin Teichmann und Geschäftsführer Adler im GesprächBegegnungen mit behinderten Menschen hätten ihr gezeigt, dass diese als normale Mitglieder der Gesellschaft wahrgenommen werden wollten, fügte sie hinzu. Für die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderung wolle sie sich umsichtig einsetzten. Nach Adler sei die Inklusion das Ziel: Die Frage lautet nicht mehr, was brauchen Menschen mit Behinderung, um integriert zu werden, sondern was brauchen Gemeinden, um ihnen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Inklusion sei in einer Gesellschaft erreicht, in der Behinderung nicht mehr auffällt, so Adler.

Sowohl Teichmann als auch Adler sahen eine Stärke der Außenklassen an Schulen für Kinder mit und ohne Behinderung darin, dass sie deren sozialen Kompetenzen stärkten. Alternative Abschlussmöglichkeiten zog die SPD-Kandidatin in Betracht. Die beruflichen Möglichkeiten, welche die Johannes-Anstalten jungen Menschen mit Behinderung böten, zeigte Adler auf.

Teichmann stellt die Notwendigkeit heraus, arbeitslos gewordene Menschen mit Behinderung besonders aufzufangen. Adler zufolge sei deren Arbeitsplatzsicherung auf dem Ersten Arbeitsmarkt durch dauerhafte Nachteilsausgleiche, wie z.B. Teilhabegeld, zu verbessern. Ebenso müsse ihnen ermöglicht werden, aus der freien Wirtschaft in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) zurückzukehren. Er regte an, dies bei der zukünftig möglichen Teilnahme Teichmanns an einem parlamentarischen Abend in Berlin zu thematisieren.

Die Sozialdemokratin sprach sich für eine gerechte Verteilung von Lasten und mehr Transparenz in der Politik aus. Ihre Politik nah am Bürger griff der Geschäftsführer der Johannes-Anstalten auf, um sich für eine leicht verständliche Sprache in der Politik einzusetzen, die auch Menschen mit geistiger Behinderung erreicht. Eine solche Politik begrüßte Adler ebenso wie Teichmanns Anliegen, dass die Stimmen der Bürger vor Ort in Berlin gehört werden müssten.

Dass heute nicht nur Banken und Industrie unter die Arme zu greifen sei, sondern auch der Sozialstaat zu stärken, war Adler ein wichtiges Anliegen. In Gesundheitsfrage sprach sich Teichmann für intelligente Lösungen aus, „bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht“. Dazu seien die Finanztöpfe neu zu vernetzen. Adler gab zu bedenken, dass trotz höherem Aufwand für die medizinische Behandlung von behinderten Menschen Kostenträger nur die üblichen Pauschalen zahlten. Darunter hätten an erster Stelle die Menschen mit Behinderung zu leiden, gab er der möglichen Abgeordneten mit auf den Weg in den Gesundheitsausschuss als eines ihrer potentiellen Tätigkeitsfelder in Berlin. (da)