Johannes-Diakonie Mosbach

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PRESSEINFORMATION vom 26. Oktober 2009

Ein möglichst normales Leben – trotz MRSA

Mit ihrer Konzeption zeigen die Johannes-Anstalten Mosbach neue Wege auf

 

Mosbach. Das gegen Antibiotika resistente Bakterium MRSA kann nicht nur eine Belastung für den Körper, sondern auch für die Psyche eines Menschen bedeuten. Denn die übliche Sofortmaßnahme ist, dass der Betroffene isoliert wird. Weil aber die Johannes-Anstalten Mosbach den Menschen ganzheitlich betrachten, bieten sie auch dem Menschen mit Behinderung, der MRSA trägt, eine Begleitung entsprechend seiner individuellen und sozialen Bedürfnisse an. Das ist die Grundlage einer zukunftsweisenden Konzeption der Johannes-Anstalten: Die Persönlichkeitsentwicklung im menschlichen Miteinander darf nicht vor MRSA Halt machen.

Das Buchstabenkürzel MRSA steht für „Methicillin-“ oder „Multiresistenter Staphylococcus aureus“. Damit bezeichnen Mediziner Keime, die unter anderem Wundinfektionen und Entzündungen hervorrufen können und gegen die die meisten Antibiotika nicht mehr helfen – die Folgen können, müssen aber nicht lebensbedrohlich sein.

Die Anzahl von MRSA-Infektionen hat in den letzten Jahren in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen dramatisch zugenommen. Die Folgen haben auch die Johannes-Anstalten Mosbach zu tragen, und das soziale Dienstleistungsunternehmen hat den Kampf gegen MRSA für seine Bewohner längst in die eigenen Hände genommen. „Wir müssen alles versuchen, MRSA einzudämmen“, ist die Devise von Dr. Joachim Kühlewein, Fachbereichsleiter Gesundheit.

Die eigenständige Behandlung von Bewohnern mit MRSA in den Johannes-Anstalten sieht die zukunftsweisende „Konzeption des MRSA-Intensivbereiches im Geschäftsbereich Wohnen“ vor. Im Rahmen eines Projektes unter Leitung von Nico Lauerwald, Leiter des Fachbereichs 2, haben Mitarbeitende des Bereichs Wohnen, der Heimärztliche Dienst sowie das Beratungsinstitut CeBe Hygienemanagement diese Konzeption erarbeitet. In ihrem Mittelpunkt steht der behinderte und MRSA tragende Mensch mit seinen individuellen und sozialen Bedürfnissen. Dem Modell liegen die strengen und verbindlichen Richtlinien des Robert-Koch-Institutes (früher: Bundesgesundheitsamt) zugrunde, und es liegt auf hohem hygienischen Niveau. Die Konzeption setzen die Johannes-Anstalten derzeit in die Praxis um. „Damit sind wir führend“, stellt Dr. Kühlewein fest.

Damit Arzt und Pflegepersonal einen von MRSA Betroffenen sowohl sanieren können (der Begriff „Sanierung“ leitet sich vom lateinischen Wort „sanare“ ab und meint „heilen“) als auch verhindern, dass dieser die Keime weitergibt, müssen sie den Erreger schnell feststellen und eine Behandlung einleiten. In der Vergangenheit richteten Wohngruppen der Johannes-Anstalten Isolierzimmer für betroffene Bewohner ein, wo die Mitarbeitenden für deren Sanierung sorgten. Heute steht für die Bewohner die eigens eingerichtete Wohngruppe D3 des Wohnzentrums in Mosbach bereit. Hier kümmert sich ein Kompetenzteam nicht nur um deren noch effektivere medizinische und pflegerische Behandlung, sondern begleitet sie auch heilpädagogisch.

Im separaten „Screening-Zimmer“ nimmt das speziell geschulte Pflegepersonal einen MRSA-Schnelltest vor. Ist das Ergebnis positiv, greift das systematische Hygienemanagement. Der Betroffene kann auf der Station bleiben und wird hier behandelt. Zehn Bewohner kann die Wohngruppe D3 aufnehmen: sechs im Wohn- und vier im Behandlungsbereich. Wer im Wohnbereich lebt, hat schon mehrere Sanierungszyklen hinter sich. Für ihn ist das Leben hier eine Atempause, in der er sich von den psychischen Strapazen erholen kann, die vorherige Isolierungen mit sich brachten. Doch damit sind die Sanierungsbemühungen nicht eingestellt. Aufgegeben wird in den Johannes-Anstalten niemand – hier findet der Betroffene eine konsequente medizinische, pflegerische und heilpädagogische Begleitung. „Die richtige Hygiene ist dabei das A und O“, lässt Joachim Wolf, Leiter der MRSA-Gruppe, wissen und freut sich: „Einen Großteil der MRSA-Konzeption konnten wir bereits umsetzen“. (da)