Johannes-Diakonie Mosbach

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PRESSEINFORMATION vom 1. Februar 2010

„Das war ja gar nicht der Herr Adler“

Johannes-Diakonie Mosbach verabschiedet Geschäftsführer Reinhard Adler

Mosbach. Die Verleihung des Kronenkreuzes der Diakonie in Gold war der Höhepunkt der Verabschiedung von Geschäftsführer Reinhard Adler am 28. Januar. Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes Baden, überreichte ihm die höchste Auszeichnung der Diakonie im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes in der Johanneskirche. Beim anschließenden Festakt drückten viele Ehrengäste und Weggefährten dem scheidenden Geschäftsführer Dank und Anerkennung für seine Leistungen und Verdienste um das soziale Dienstleistungsunternehmen Johannes-Diakonie Mosbach aus, das sich unter Adlers zwölfeinviertel Jahre währender Regie stetig modernisiert und sein diakonisches Profil deutlich geschärft hat.

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier (li.) verleiht Reinhard Adler das Goldene Kronenkreuz der Diakonie
Musik in der Johanneskirche
Hans-Jürgen Knörzer singt "Jerusalem", ein besonderes Abschiedsgeschenk des Seelsorgeteams der Johannes-Diakonie
Familie Adler
Bürgermeister Theo Haaf überreicht das Straßenschild
Der Heimbeirat verabschiedet sich
Musikschule Mosbach (1)
Musikschule Mosbach (2)
OKR Stefan Werner stellt den neuen Vorstand vor

Viel Lob erhielt Adler vor allem für seine unermüdlichen Bemühungen um die Verbesserung der Wohn- und Beschäftigungsqualität für die 3.700 Menschen mit Behinderungen, die von der Johannes-Diakonie Mosbach betreut werden. Oberkirchenrat Stefan Werner, als Verwaltungsratsvorsitzender quasi der Vorgesetzte Adlers, bescheinigte dem Diplom-Ökonomen, die Johannes-Diakonie nie nur als „sozialen Konzern“ geführt zu haben: „Ein paar mehr von Ihrem Schlag, und unser Land, unsere Gesellschaft stünden heute anders da.“

„Auch wenn jeder Mensch ersetzbar ist – Sie werden zunächst einmal eine große Lücke hinterlassen", sagte Staatssekretär Dieter Hillebrand, Behindertenbeauftragter der Landesregierung. Als 'Abschiedsgeschenk' verwies er auf eine Wohnheimförderung aus Landesmitteln in Höhe von insgesamt knapp 1,26 Millionen Euro, welche die Johannes-Diakonie wenige Wochen zuvor bewilligt bekommen hat.

Johannes Stockmeier schlug den Bogen vom Namen Adler zum Mosbacher Wappentier und kam zum Schluss, dass Mosbach zwar eine Kleinstadt, aber ganz groß in der Eingliederung von Menschen mit Behinderung sei. In seiner Festpredigt in der Johanneskirche hatte er zuvor mehrfach unterstrichen, dass „Menschen mit Behinderungen in unsere Mitte“ gehören.

Rasch und konsequent habe Adler auf die sich immer schneller ändernden Rahmenbedingungen der Eingliederungshilfe reagiert, attestierte ihm Verbandsdirektor Roland Klinger vom KVJS. Der Paradigmenwechsel mit den Schlüsselbegriffen Assistenz und Selbstbestimmung habe seine Geschäftsführerzeit wesentlich geprägt, und mit Vehemenz habe sich Adler für die Teilhabe behinderter Menschen in allen Lebensfeldern, insbesondere aber beim Wohnen und bei der Beschäftigung eingesetzt. Mit der zum 1.1.2005 verwirklichten Verwaltungsreform in Baden-Württemberg sei ihm dabei noch eine besondere Herausforderung auferlegt worden.

Auf Jahre des Umbruchs und der Veränderung blickte auch Landrat Dr. Achim Brötel zurück und kam beeindruckt zum Schluss: „Wenn das stattliche Schiff Johannes-Diakonie auch in rauer See im Interesse der Menschen mit einer Behinderung stets Kurs gehalten hat, ist das eine große Leistung.“ Den beiden Nachfolgern sagte er die Fortsetzung der stets vertrauensvollen Zusammenarbeit zu.

Der Mosbacher OB Michael Jann hatte Namensforschung betrieben und für den Namen „Reinhard Adler“ die Bedeutung „des im Rat Starken“ erkundet. Zugleich stellte er fest, dass sich künftig Historisches mit diesem Namen verbindet, werde sein Träger doch „auf ewig der letzte Geschäftsführer der Johannes-Anstalten Mosbach bleiben“.

Der Schwarzacher Bürgermeister Theo Haaf hatte indessen eine ganz besondere Überraschung parat: Auf einstimmigen Beschluss seines Gemeinderates heißt der bis dato namenlose Verbindungsweg zwischen Gemeinde und Schwarzacher Hof ab sofort „Reinhard-Adler-Weg“. Der so Geehrte wollte es zuerst gar nicht glauben. Gab es anfangs durchaus Unsicherheiten im Verhältnis des Bürgermeisters der zweiten großen Standortgemeinde der Einrichtung mit deren Geschäftsführer, ist im Laufe der Jahre eine Freundschaft zwischen den beiden entstanden.

Bei allen Differenzen habe in Mosbach stets die diakonische Dienstgemeinschaft im Vordergrund gestanden, blickte Ingo Dreyer vom Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) zurück. „Ein guter Ruf hat auch immer etwas mit dem leitenden Kopf zu tun“, fand Rolf Drescher vom Bundesverband evangelische Behindertenhilfe, der die vielen guten Beziehungen und Kontakte zwischen dem BeB und der Johannes-Diakonie Mosbach in den Vordergrund rückte. Wilfried Hüntelmann von der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit würdigte die professionelle Ausbildung von Jugendlichen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen im Berufsbildungswerk in Trägerschaft der Johannes-Diakonie Mosbach.

Die früheren Vorstandskollegen Dr. Alexander Vater und Dr. Dieter Dreisbach sowie Werner Hug als Vorsitzender der Gesamtmitarbeitervertretung rundeten die Reden mit der 'Innensicht' auf die Jahre unter Reinhard Adler ab. Dr. Vater versuchte erst gar nicht, alle Verdienste des Geschäftsführers aufzuzählen, nannte dann aber doch ein paar Zahlen, die eindrucksvoll das Geleistete belegen. 35 Wohnheime seien saniert, die Zahl der Einzelzimmer von 500 auf 1.100 mehr als verdoppelt worden. Dr. Dreisbach, inzwischen ein enger Freund Adlers, stellte mit sehr persönlichen Worten den Mensch Reinhard Adler in den Mittelpunkt. „Die Umstellung der Johannes-Anstalten von einer nach öffentlich-rechtlichen Verwaltungskriterien geführten Einrichtung auf ein betriebswirtschaftlich gesteuertes Unternehmen ist Ihnen gelungen“, sagte Werner Hug und bescheinigte dem scheidenden Chef zugleich, trotz aller Auseinandersetzungen stets fair und nicht nachtragend gewesen zu sein. Hug würdigte vor allem Adlers „aus dem persönlichen Glauben kommende positive Menschenbild“ und stellte fest: „Für Sie waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchaus auch Kolleginnen und Kollegen – auch in der Ansprache.“

„Das war ja gar nicht der Herr Adler, das war die Politik“, zu dieser Erkenntnis sind laut Heimbeirätin Natalie Zwanziger die Kundinnen und Kunden der Johannes-Diakonie schon vor einiger Zeit gekommen, wenn mal wieder Einsparungen für Ärger gesorgt hatten. Man wisse, dass Reinhard Adler „wesentlich zu positiven Veränderungen für uns Bewohner beigetragen hat“, meinte auch ihr Kollege Detlef Markl. Dieses Grußwort, das in einem fröhlichen Federballspiel zwischen Adler und Markl endete – neben einem Jahreslos der „Aktion Mensch“ waren Ball und Schläger Abschiedsgeschenke der Heimbeiräte –, war für viele der Höhepunkt des langen, aber nicht langwierigen Grußwortreigens, der von gelungenen Beiträgen der Musikschule Mosbach e.V. zudem aufgelockert wurde. Dennoch: 15 Redner, die sich beim Festakt insgesamt zu Wort meldeten, waren für die Batterien des Mikrofons entschieden zu viel. Zum Glück war Ersatz schnell zur Hand.

Sichtlich bewegt sprach Reinhard Adler schließlich sein Schlusswort. Er rückte von seinem vorbereiteten Manuskript ab und stellte den christlich-diakonischen Auftrag in den Mittelpunkt: „Die Kirche hat von Anfang an einen diakonischen Auftrag. Weil Jesus sich den Bedürftigen und Randständigen in der Gesellschaft zugewandt hat, soll auch die Kirche dieses in seiner Nachfolge tun. Es ist die Signatur der Christenheit.“ Adler konnte auch auf seinen in Buchform erschienenen Rückblick auf seine zwölfjährige Tätigkeit in der Johannes-Diakonie Mosbach verweisen (ISBN 978-3-00-029207-1).

Mit stehenden Ovationen zollten die 300 Festgäste ihm anschließend Respekt. Glück- und Segenswünsche gingen an den neuen zweiköpfigen Vorstand mit Dr. Hanns-Lothar Förschler und Jörg Huber, den Stefan Werner den Anwesenden kurz vorstellte. Die offizielle Amtseinführung findet am 4. März statt.

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Text: Annette Peters

Fotos: Lothar Dörge