Johannes-Diakonie Mosbach

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PRESSEINFORMATION vom 12. Januar 2009

Mit der Krankheit nicht alleine bleiben

Seit drei Jahren hilft die Angehörigengruppe der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik Menschen mit psychisch erkrankten Familienmitgliedern

Mosbach. Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu. Im Laufe eines jeden Jahres erleidet ca. jeder Dritte in der EU-Bevölkerung mindestens eine psychische Störung, z. B. eine Depression, eine manisch-depressive Störung, eine Schizophrenie, Suchterkrankungen, neurotische bzw. Persönlichkeitsstörungen oder Demenz.

Der Umgang mit psychischen Erkrankungen ist oft von Hilflosigkeit geprägt – nicht nur auf Seiten der Betroffenen, sondern auch aller Menschen in deren Umgebung.Diplom-Psychologin Renate Reber und Stationsarzt Wolfram Weiß leiten seit drei Jahren die Angehörigengruppe der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik der Johannes-Anstalten in Mosbach.

Die Neurologisch-Psychiatrische Klinik der Johannes-Anstalten in Mosbach unter der Leitung von Chefarzt Dr. med. Burkhard Lang beschränkt sich daher nicht auf eine multiprofessionelle Behandlung ihrer Patienten. Sie bietet auch eine begleitende Gesprächsgruppe für Angehörige an.

Aus Gesprächen mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen hat Diplom-Psychologin Renate Reber sehr oft diese Not und Hilflosigkeit herausgehört: „Es besteht ein enormer Gesprächsbedarf“, sagt sie.

Seit drei Jahren nun erwarten sie und ihr Kollege, Stationsarzt Wolfram Weiß, einmal im Monat Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen zur psychoedukativen Angehörigengruppe.

Die beiden ergänzen sich dabei bestens: Renate Reber, Psychologin mit über 30-jähriger Berufserfahrung, hat viel Übung im therapeutischen Zuhören. Wolfram Weiß, Stationsarzt, vermittelt vor allem medizinische Hintergründe. Themenfelder sind bei jedem Treffen vorgegeben, dennoch wird bewusst viel Raum für Gespräche gelassen. Denn wer einen psychisch erkrankten Angehörigen hat, lebt nicht selten isoliert – aus falscher Scham oder einfach nur aus Hilflosigkeit heraus. Der Austausch mit anderen Betroffenen steht neben dem Kennenlernen der Krankheitsbilder an erster Stelle. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen so die Gewissheit, mit der Krankheit nicht alleine zu bleiben.

Offenheit in einem geschützten Raum

Mit dem Wissen über Ursachen und Auswirkungen bestimmter Krankheitsbilder werden den Angehörigen Rahmenbedingungen gegeben, mit den Betroffenen und deren Lebenskontext besser umzugehen. Denn oftmals hilft bereits das Wissen über Ursachen und Auswirkungen bestimmter Krankheiten, mit ihnen besser fertig zu werden. Daneben soll den Teilnehmern ausreichend Raum gelassen werden, um die Sorgen, Ängste, Erfahrungen untereinander auszutauschen und Stützung zu erfahren. Der geschützte Raum soll den Angehörigen die Möglichkeit zu gegenseitiger Offenheit bieten.

Renate Reber und Wolfram Weiß greifen dort steuernd ein, wo es fachlich notwendig ist. Da viele unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander treffen, ist bei ihnen größtmögliche Flexibilität gefragt.

Alles, was gesprochen wird, unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer geben sich das schriftliche Versprechen, Stillschweigen zu bewahren. Auf diese Weise ist das Vertrauen schnell da, auch wenn jemand Neues dazu kommt. Denn die Gruppe steht jedem offen, gleichgültig, ob sein Angehöriger Patient der Neurologisch-Psychiatrischen Klinik ist oder nicht.

Die Zahl der Teilnehmer schwankt, alle Altersgruppen sind vertreten. „Inzwischen“, freuen sich Renate Reber und Wolfram Weiß, „ist ein richtiges kleines Netzwerk entstanden“.

Auch zum „Jubiläumstreffen“ am 20. Januar 2009 von 15 bis 17 Uhr im Besprechungsraum der Neuropsychiatrischen Station, Zimmer 310 im 3. Stock der Klinik, sind neben allen bisherigen selbstverständlich auch neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich willkommen. Informationen und Anmeldungen im Sekretariat der Klinik, Tel. 06261/88-300.