Johannes-Diakonie Mosbach

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PRESSEINFORMATION vom 20. Februar 2009

Ein neues Miteinander von Betreuer und Betreuten

Fachschule für Sozialwesen der Johannes-Anstalten Mosbach: 12. Fachtagung stellt die „Achtsamkeit“ in den Mittelpunkt

Mosbach. „Zwischen professioneller Dienstleistung und mitmenschlicher Fürsorge: Achtsamkeit als Weg?“ lautet das Thema der 12. Fachtagung, welche die Fachschule für Sozialwesen (Fachrichtung Heilerziehungspflege) der Johannes-Anstalten Mosbach am 26./27. März 2009 ausrichtet – nach ihrem Umzug vom Schwarzacher Hof nach Mosbach zum zweiten Mal in der Johanneskirche.

Mit dem so genannten Paradigmenwechsel in den 1990er-Jahren wurde die Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung in den Mittelpunkt aller pädagogischen und politischen Bemühungen gestellt. In diesem Zusammenhang wurde auch gefordert, dass sich die Rolle der Professionellen, das Verhältnis zwischen Fachleuten und behinderten Menschen sowie die Angebotsstrukturen der Hilfen grundsätzlich verändern müssen.

Der Mensch mit Behinderung gilt nun als Experte in eigener Sache, seine Selbstbestimmung bekommt oberste Priorität. Die Rolle der Unterstützer wandelt sich vom Betreuer zum Begleiter bzw. Assistenten. Das Marktmodell wird zum Vorbild für die Beziehung beider Seiten: der behinderte Mensch als autonomer Kunde, der Professionelle als Anbieter der Hilfen. Die Hilfen selbst bekommen in diesem Modell Warencharakter, werden als Dienstleistungen angeboten und vom behinderten Menschen nach seinem Bedarf eingekauft.

Dieser Paradigmenwechsel stärkt sicherlich die Position behinderter Menschen. Die Gefahren dabei sind unter anderem Vereinsamung, Vereinzelung und Verwahrlosung, vor allem dann, wenn Beeinträchtigungen der kognitiven, emotionalen oder sozialen Kompetenzen die individuellen Möglichkeiten zur Nutzung der Selbstbestimmung einschränken. Aber auch bei den Professionellen kommt es immer wieder zu Verunsicherung und nicht unerheblichen Rollenkonflikten.

Kompetente Referentinnen und Referenten werden dazu Stellung beziehen. Da sie aus unterschiedlichen Kontexten kommen, werden sie das Thema von verschiedenen Seiten her beleuchten:

Dr. Elisabeth Conradi, Universität Frankfurt, hat mit ihrer Publikation „Take Care, Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit“ die Diskussion zu diesem Thema angestoßen und maßgeblich beeinflusst.

Dorothea Sauter, Pflegedienstleiterin eines gerontopsychiatrischen Pflegezentrums und Mitherausgeberin des „Lehrbuchs Psychiatrische Pflege“, hat sich viel mit Aspekten der Gewalt in professionellen Beziehungen befasst.

Ottmar Miles-Paul, Behindertenbeauftragter der Landesregierung Rheinland-Pfalz, selbst seh- und hörbehindert und stark engagiert in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung, wird aus Sicht der Betroffenen dieses Thema behandeln.

Landesbischof Dr. Ulrich Fischer wird die christlich-diakonischen Aspekte der Achtsamkeit vorstellen und den besonderen Auftrag, der sich daraus ergibt.

Prof. Dr. Wolfgang Jantzen, Universität Bremen, betont die Professionalität und Fachlichkeit in der Begleitung behinderter Menschen. Große Bedeutung haben für ihn ebenso die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehung und eine hohe Achtung vor dem menschlichen Leben an sich. Dabei argumentiert er von einer atheistischen und materialistischen Ethik ausgehend.

Anita Burkhart-Röser, Yogalehrerin, betont die Achtsamkeit als besondere Art und Weise des aufmerksamen, unangestrengten Handelns auf dem Weg zur inneren Ruhe. Sie hat unter anderem auch langjährige Unterrichtspraxis mit körperlich und geistig behinderten Menschen.

Neben den Referaten mit anschließender Gelegenheit zur Diskussion sind eine Podiumsdiskussion, ein Workshop mit Übungen zur Achtsamkeit und wie immer ausreichend Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch geplant.

Anmeldung: Sekretariat Frau Keil, Montag bis Freitag 8 bis 12 Uhr, Tel. 06261/88-707, Fax: 06261/88-778, E-Mail: Jutta.Keil@jamos.de

Tagungsbeitrag: 130 Euro (75 Euro für Studierende und Menschen mit Behinderung)